Grenzgängerroute Teuto-Ems

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enn man heute über das alte Dreiländereck radelt, wo die Regionen Osnabrücker Land, Ostwestfalen-Lippe und Münsterland aufeinandertreffen, dann fällt einem auf den ersten Blick  gar nicht auf, welch eine historische, politische und kulturelle Grenze man dort gerade überfährt. Heute stoßen hier die Kreise Warendorf, Osnabrück und Gütersloh aufeinander, doch einst verlief hier die Staatsgrenze zwischen Preußen und Hannover, was noch an alten Grenzsteinen erkennbar ist. Auch heute befindet sich hier noch die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.  Und hier verlief einst auch die Glaubensgrenze zwischen dem katholischen Fürstbistum Münster sowie dem rein protestantischen Versmold und dem Ravensberger Land. Bis in die jetzige Zeit prägt das Dreiländereck die hier lebenden Menschen. Wehrhafte Burgen zeugen noch immer von den einstigen Konflikten. Mit prächtigen Schlössern versuchten die Adelsherren, sich gegenseitig zu beeindrucken. Hier wurde auf den alten Handelsstraßen über Jahrhunderte Zoll eingetrieben und  hier blühte dementsprechend auch der Schmuggel – insbesondere mit Salz und mit westfälischen Schinken.

Durch diese geschichtsträchtige Region führt die 148 km lange Grenzgängerroute Teuto-Ems. Der Radwanderer überschreitet dabei über vierzehn historische und aktuelle Grenzen und wird damit zum echten Grenzgänger bzw. –fahrer. Die Route verbindet zwölf Städte und Gemeinden in zwei Bundesländern, darunter die Pferdestadt Warendorf, Sitz des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts, die  Sole-Heilbäder Bad Rothenfelde und Bad Laer sowie der Kneipp-Kurort Bad Iburg mit seinem über der Stadt thronenden Schloss und der ehemaligen Benediktinerabtei, das über sieben Jahrhunderte die Residenz der Osnabrücker Bischöfe war. Auf den Resten einer sächsischen Fliehburg war die Iburg bereits im 11. Jahrhundert als älteste Ritterburg des Bistums entstanden. Sehenswert sind aber auch das nach den Plänen des berühmten westfälischen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun entstandene Wasserschloss Loburg bei Ostbevern,


die Doppelschlossanlage Harkotten-Korff und Harkotten-Ketteler in Füchtorf sowie Burg Ravensberg mit ihrem wuchtigem Wehrturm in Borgholzhausen, Stammsitz der Grafen von Ravensberg(-Calvelage) und Namensgeber für das Ravensberger Land.

Der Rundkurs führt durch die Flussauen der Ems und am südlichen Fuße des Teutoburger Waldes entlang, bleibt dabei aber weitgehend flach. Die Region ist sehr ländlich geprägt: zahlreiche Bauernhofcafés, Landgasthöfe und Hofläden laden zu einer Pause oder einem Abstecher ein. Durch zwei Verbindungsstrecken besteht auch die Möglichkeit, die große Schleife in drei kleinere Rundkurse zu unterteilen, die dann eine Länge von jeweils 55 bis 66 km besitzen – ideal für eine Tagestour. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hat die Grenzgängerroute Teuto-Ems im Jahr 2015 als Qualitätsroute mit vier Sternen ausgezeichnet. Als richtungsweisendes Logo dient ein grün-blaues Piktogramm, dass in stilisierter Form einen Hügel und Wiesen (in grün) sowie einen geschwungenen Fluss und den Himmel (in blau) darstellt, darunter der Schriftzug ‚Grenzgängerroute Teuto-Ems‘. Der Radfernweg wird durch den Tourismusverband Onsabrücker Land e.V. betreut.

Als Besonderheit gibt es unter der Webadresse ‚www.grenzgaengerroute.de‘ zusätzlich 12 Audiodateien mit interessanten und amüsanten Grenz-Geschichten rund um den Radfernweg.

Charakteristik:

Die Grenzgängerroute Teuto-Ems ist eine ausgesprochen familienfreundliche Radstrecke. Sie besitzt ein überwiegend flaches Profil. Leichte Steigungen gibt es bei Bergholzhausen und Bad Iburg. Es werden vorwiegend verkehrsarme und asphaltierte Wirtschaftswege oder separate Radwege genutzt. Der Rundkurs gilt daher als leicht und kann auch für Ungeübte empfohlen werden.



Ortschaften entlang der Route

Bad Rothenfelde / Dissen am Teutoburger Wald / Borgholzhausen / Versmold / Sassenberg / Warendorf / Ostbevern / Glandorf / Lienen / Bad Iburg / Hilter am Teutoburger Wald / Bad Laer

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Sassenberg

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assenberg ist eine Kleinstadt im Kreis Warendorf. Sie wurde 1969 im Zuge der kommunalen Neugliederung aus Sassenberg, Füchtdorf und Teilen der Gemeinden Dackmar und Gröblingen gebildet. Im 17. Jahrhundert war Sassenberg zeitweilig Residenzstadt der Fürstbischöfe von Münster. Von der Fürstbischöfliche Burg hat sich aber leider kaum etwas erhalten. Dafür ist die Doppelschlossanlage Harkotten im Ortsteil Füchtdorf umso mehr einen Besuch wert. In unmittelbarer Nähe steht ein barocker Schlossbau neben einem klassizistischem. Haus Schücking in Stadtkern von Sassenberg geht auf einen Entwurf von Johann Conrad Schlaun zurück. Der Ortsteil Füchtdorf gilt als Spargelmetropole und ist das einzige offizielle Spargeldorf Nordrhein-Westfalens.

Sehenswertes:

Bereits im 13. Jahrhundert bewohnte ein Ritter aus der Familie von Korff eine Burg in Füchtorf. Bis heute blieb das Schloss Harkotten-Korff im Besitz der Familie und wird von ihr auch bewohnt. Mit dem benachbarten Schloss Harkotten-Ketteler bildet es eine Doppelschlossanlage. Das Schloss Harkotten-Korff ist ein schlichtes, symmetrisches und gradliniges Gebäude. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in den klassizistischen Stil mit Mittelrisaliten und flachem Walmdach erbaut. Der Mittelrisalit wird oben abgeschlossen von einem Dreiecksgiebel, in dem sich das Wappen des Erbauers befindet. Vorgelagert befinden sich vier Säulen, die einen Balkon stützen. Der Schlossplatz vor dem Portal wurde als kleine Gartenanlage mit einem zentralen Rondell gestaltet, in dessen Mitte ein runden Teich angelegt wurde.

 

Geschichtlicher Ablauf

1254

Erstmalige Erwähnung eines Ritters Heinrich von Korff, der in Füchtorf eine Burg bewohnte.

1297–1309

Bau einer Burg an der Bever durch Heinrich II. von Korff

1311

Errichtung der Schlosskapelle.

1334

Teilung des Besitzes unter den Söhnen Heinrich III. und Everard, da der Vater als Mönch ins Kloster Marienfeld ging. So entstanden zwei Burgen in direkter Nachbarschaft.

1540

Bau eines ersten Wasserschlosses.

1615

Einheirat eines Herren von Ketteler in die Korff’sche Familie. So kam es zu der Umbenennung der Anwesen in Harkotten-Korff (westlicher Teil) und Harkotten-Ketteler (östlicher Teil). Das Burgtor, das Gerichtshaus, die Schlosskapelle sowie einige Gebäude auf der Mühleninsel blieben bis heute im gemeinsamen Besitz.

1747

Neubau von Gebäuden auf der Vorburg

1804–06

Nach dem Abriß des alten Burggebäudes folgte ein Neubau im klassizistischen Stil nach dem Vorbild von Schloss Wörlitz bei Dessau durch Adolf von Vagedes. Er schuf auch die Pläne für die neue Vorburg. Die Gräfte vor dem Schloss wurden zugeschüttet.

1831

Neugestaltung des Schlossplatzes mit Rondell und rundem Teich sowie einem neuen Wirtschaftsgebäude.

Das Schloss Harkotten-Korff dient bis heute als private Wohnstätte der Familie Korff.

Erhaben und mächtig blickt der weiss verputzte barocke Backsteinbau über die Gräfte und die Felder. Das ältere der beiden Schlösser der Doppelschlossanlage Harkotten wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Kurzzeitig wurde die Bauzeit unterbrochen während des Siebenjährigen Krieges. Auffällig ist die doppelläufige Freitreppe vor dem Portal. In dem erst im 19. Jahrhundert entstandenen Barockgarten befinden sich mehrere zeitgenössische Skulpturen, die von dem heutigen Schlossherren gesammelt werden. Heute wird die Anlage als Sitz einer Designerargentur genutzt. In den Achziger Jahren befand sich hier die Firma des Designers Luigi Colani.

  

Geschichtlicher Ablauf

1254

Erstmalige Erwähnung eines Ritters Heinrich von Korff, der in Füchtorf eine Burg bewohnte.

1297-1309

Bau einer Burg an der Bever durch Heinrich II. von Korff

1311

Errichtung der Schlosskapelle

1334

Teilung des Besitzes unter den Söhnen Heinrich III. und Eberhard, da der Vater als Mönch ins Kloster Marienfeld ging. So entstanden zwei Burgen in direkter Nachbarschaft. Heinrich, dem die östliche Burg zugeteilt wurde, nannte sich fortan ‚von Korff-Smising’

1615

Die männliche Erbfolge der Familie Korff-Schmising erlosch. Einheirat des Goswin von Ketteler in die Korff’sche Familie. So kam es zu der Umbenennung der Anwesen in Harkotten-Korff (westliche Burg) und Harkotten-Ketteler (östliche Burg). Das Burgtor, das Gerichtshaus, die Schlosskapelle sowie einige Gebäude auf der Mühleninsel blieben bis heute im gemeinsamen Besitz.

1754-67

Neubau von Schloss Harkotten-Ketteler im Stil eines repräsentativen Barockschlosses durch Johann Leonhard Mauritz Gröninger.

1769

Bau der doppelläufigen Freitreppe an der Hauptfront.

Nach 1800

Bau der doppelläufigen Freitreppe an der Hauptfront.Anlegung der Gartenanlage nach barocken Vorbildern.

Mitten in der Stadt Sassenberg befindet sich an der Von-Galen-Straße das Haus Schücking. Das einstöckige Herrenhaus wurde 1754 durch den bekannten westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun im barocken Stil erbaut. Das einstöckige Herrenhaus aus rotem Backstein erhielt Ende des 19. Jahrhunderts einen südlichen Anbau mit auffälligem Pyramidendach, der die ursprüngliche symmetrisch-barocke Strenge auflöst. Kurz zuvor war das Portal kunstvoll verändert worden. Der Eingangsbereich erhielt einen Mittelrisaliten und eine Freitreppe. Über dem Portal prangt das Familienwappen. Das Anwesen wird noch immer von der Familie Schücking bewohnt.

 

Geschichtlicher Ablauf

1754

Erbaut für den fürstbischöflichen Kanzler Engelbert Schücking durch Johann Conrad Schlaun

1790

Bau der Nebengebäude

1814

Geburt des Literaten Levin Schücking auf dem Anwesen.

19. Jhd.

In der Mitte des Jahrhunderts wird der Eingangsbereich kunstvoll verändert.

1882

Bau des Südflügels.


Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Evangelist wurde in den Jahren 1670 bis 1678 als einfache Hallenkirche mit gotischen Formen unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen erbaut. Das Gotteshaus besaß zunächst nur einen Dachreiter und keinen Turm. Erst 1914 wurde dieser mit reich verzierter Haube fertig gestellt. Die Kirche wurde mehrfach erweitert, der letzte größere Umbau wurde im Jahre 1976 abgeschlossen. Sehenswert sind die beiden Barockaltäre.

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Ortsteil Füchtorf entstand 1846 im neugotischen Stil. Der Turm wurde erst 1902 fertig gestellt. Die dreischiffige Hallenkirche hatte einen romanischen Vorgängerbau, dieser wurde erstmals 1251 urkundlich erwähnt. Auf dem Kirchplatz fällt ein massiges Rundbogentor auf, das vermutlich der alten Kirchplatzbefestigung gedient hat.

Die Fürstliche Mühle wurde 1578 auf einer Insel als einstöckiger Bau aus Bruchstein errichtet. Sie gehörte zur früheren Landesburg der Fürstbischöfe von Münster. Von der Burg sind nur noch ein paar Steine erhalten. In den Jahren 1865 sowie 1948 wurde die Wassermühle jeweils um ein Geschoss erhöht, die Insel als solche existiert heute nicht mehr. Das Gebäude dient heute als städtische Begegnungsstätte.


Radrouten die durch Sassenberg führen:

100 Schlösser Route – Nordkurs
100 Schlösser Route – Ostkurs
EmsRadweg
Radroute Historische Stadtkerne
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Warendorf

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ie Pferde- und Reiterstadt Warendorf, idyllisch an der Ems gelegen, wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 Kreisstadt. Die historische Altstadt ist noch bemerkenswert gut erhalten, der Marktplatz mit seinen jahrhunderte alten Häusern und deren imposanten Giebeln aus verschiedenen Epochen ist ein wahres Schmuckkästchen. Der Ursprung der Siedlung liegt wahrscheinlich bereits im 6. Jahrhundert, gegen Ende des 12. Jahrhundert wurde Warendorf schließlich Stadt. Bedeutend ist das Nordrhein-Westfälische Landesgestüt mit seiner erfolgreichen Deckhengstzucht und der nicht minder erfolgreichen Deutschen Reitschule, die mehrere Olympiasieger hervorgebracht hat. Warendorf besitzt mit St. Lambertus (Alte Kirche), St. Marien (Neue Kirche) und der neugotischen evangelischen Christuskirche im mehrere interessante Kirchen und zwei ehemalige Klöster. Das Dezentrale Stadtmuseum vermittelt an fünf verschiedenen Standorten innerhalb des historischen Stadtzentrums Wissenswertes zur Stadtgeschichte.

Sehenswertes:

In unmittelbarer Nähe zur Stiftskirche Freckenhorst befindet sich das Schloss Freckenhorst. Das Schloss ist ein zweistöckiger Barockbau mit neun Achsen und einem hervortretenden Mittelrisaliten. Das Portal ist über eine geschwungene Doppeltreppe zu erreichen. Schloss Freckenhorst wurde im Jahre 1740 durch den Paderborner Hofarchitekten Franz Christoph von Nagel für die damalige Äbtissin Clara Franziska von Westerholt-Lembeck erbaut. Der Schlossbau besitzt einen direkten Zugang zum Altarraum der Stiftskirche. Schloss Freckenhorst befindet sich im Besitz der Grafen von Mehrveldt und kann daher nur von außen besichtigt werden.

Das international bekannte und renommierte Nordrhein-Westfälische Landesgestüt Warendorf ist das Zentrum für Reitsport und Pferdezucht. Gegründet wurde es bereits 1826 von König Friedrich Wilhelm III. und war zunächst in Besitz des Landes Preußen. Ziel seit seiner Gründung ist die Zucht von qualitativ hochwertigen Hengsten, um diese für das Decken zur Verfügung zu stellen. In den Ställen stehen Warm- und Kaltbluthengste sowie Vollblüter. In Warendorf ist man sehr stolz auf die eigene Pferdezucht. Die Stallungen stehen unter Denkmalschutz. Bekannt ist das Landesgestüt aber auch für die angegliederte Deutsche Reitschule, die das Zentrum der deutschen Berufsreiterausbildung darstellte. Die Schule besitzt 50 Hengste und Wallache und hat schon mehrere Olympiasieger hervorgebracht. In der Zeit von Ende September bis Anfang Oktober werden alljährlich die viel besuchten Hengstparaden abgehalten und im August findet jeweils ein Familientag mit der ‚Symphony der Hengste’ und einem Open Air Concert statt.

Gleich neben der Marienkirche befindet sich der Marktplatz. Um ihn herum gruppieren sich Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten, erbaut im Stile der Renaissance, des Barock und des Klassizismus. Die historische Altstadt von Warendorf verbreitet eine sehr gemütliche Atmosphäre.

Verteilt auf fünf verschiedene Standorte in der historischen Altstadt von Warendorf befindet sich das Dezentrale Stadtmuseum. Die fünf Gebäude vermitteln ein Überblick über die Stadtgeschichte und über Leben und Arbeit der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten. Das alte Rathaus wurde nach dem Stadtbrand im Jahre 1404 mit gotischen Stilelementen errichtet. Der historische Ratsaal dient heute noch als Trauzimmer und als Räumlichkeit für Ausstellungen. Das Gadem am Zuckertimpen ist ein kleines Mietsgebäude aus dem 17. Jahrhundert, welches arme Menschen ohne Bürgerrechte aufnahm.

Haus Bispinck ist ein Fabrikantenhaus aus dem Jahre 1903. Die im Stil des Historismus errichtete zweistöckige Villa an der Klosterstraße nimmt verschiedene Stilelemente vergangener Epochen auf. In dem 1812 bis 1815 erbauten Bürgerhaus mit seiner klassizistischen Formgebung findet sich die typische Wohnausstattung des vorletzten Jahrhunderts. Bemerkenswert sind der Saal mit den handgedruckten Bildtapeten sowie das Biedermeierzimmer mit seinen Stilmöbeln. Das Torschreiberhaus am Osttor war das Wohn- und Diensthaus des Torschreibers, der den Verkehr auf der vorbeikommenden Handelsstrasse kontrollieren und Wegezölle eintreiben musste.

Die Pfarrkirche St. Laurentius wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet, nachdem bei einem großen Brandt in der Stadt 1404 die romanische Vorgängerkirche zerstört worden war. Wahrscheinlich hatte bereits die romanische Steinkirche einen hölzernen Vorgängerbau gehabt.

Die heutige dreischiffige gotische Hallenkirche ist das älteste Gotteshaus in Warendorf. Die Türme allerdings wurden erst 1914 fertig gestellt. Bei der Inneneinrichtung ist das Altarbild bemerkenswert. Es entstand bereits 1430. Die St. Laurentiuskirche ist seit dem 18. Jahrhundert auch Ziel von Wallfahrern, die die hier befindliche Marienplastik verehren. Um Maria Himmelfahrt findet alljährlich eine große Prozession statt.

In der historischen Altstadt von Warendorf befindet sich das Franziskanerkloster. Im Jahre 1652 wurde durch den Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen der Grundstein für die Kirche gelegt, 1673 wurden die Klostergebäude fertig gestellt. Sehenswert ist die Pforte von 1683. Erst im Jahre 2008 haben die Mönche das Kloster in Warendorf verlassen.

Die St. Marienkirche bekam den Beinamen ‚Neue Kirche’, da sie als Tochterpfarrei der St. Laurentiuskirche gegründet worden war, die die stetig wachsende Gemeindegliederzahl nicht mehr aufnehmen konnte. Die heutige Kirche wurde 1911/12 neu errichtet und ersetzte einen Vorgängerbau, der nach einem verheerenden Stadtbrand 1741 errichtet worden war. Der auffällige Turm entstammt als einziges Relikt noch dem Kirchenbau aus dem 18. Jahrhunderts. Zuvor hatte es bereits einen weiteren Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert gegeben, der durch das Feuer zerstört worden war.

Weithin sichtbar ist die Stiftkirche im Warendorfer Ortsteil Freckenhorst. Mit ihren fünf Türmen und seiner wertvollen Innenausstattung gehört es zu den wichtigsten Baudenkmälern im weiteren Umkreis. Vom ehemaligen Kloster St. Bonifatius ist nur noch ein Teil des Kreuzganges aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Es war zuletzt ein freiweltliches Damenstift. Gegründet wurde es im 12. Jahrhundert durch den Edelherrn Everward, dessen Gattin Gera – so wird es zumindest vermutet – in der Krypta der Stiftskirche begraben liegt. Die Grabplatte besitzt die älteste bekannte Inschrift in niederdeutscher Sprache. Die Stiftskirche wurde im Jahr 1129 geweiht. Ihr Taufstein aus dem gleichen Jahre gilt als Meisterwerk der romanischen Bildhauerkunst. Beachtenswert ist auch das Glockenwerk mit seinem mehrtönigen Geläut.

Als letztes Relikt der im 13. Jahrhundert erbauten Stadtbefestigung blieb der Bentheimer Turm erhalten. Ursprünglich wachten fünf Türme über die Sicherheit. Die Stadtrechte hatte Warendorf wohl Ende des 12. Jahrhunderts bekommen. Genau weiß man das allerdings nicht, da die Urkunde über die Verleihung der Stadtrechte, wie auch alle anderen Dokumente, während der Herrschaft der Wiedertäufer vernichtet worden waren.


Radrouten die durch Warendorf führen:

100 Schlösser Route – Ostkurs
EmsRadweg
Radroute Historische Stadtkerne
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Bad Iburg

H
och über Bad Iburg thront das Wahrzeichen der Stadt, das Schloss. Die Anfänge dieser Festungsanlage stammen aus dem 11. Jahrhundert, aber schon im Jahre 772 hatte Karl der Große hier eine Burganlage gegen seinen Wider- sacher Herzog Widukind erobert. Fürstbischof Philip Sigismund von Wolfen- büttel-Braunschweig ließ die vierflügelige Renaissanceanlage im 17. Jahrhundert errichten, der mächtige achteckige Bergfried stammt als ältestes Gebäudeteil aus der Zeit Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert. Auf dem Schloß wurde 1668 Sophie Charlotte geboren, die später erste preußische Königin wurde und Mutter Frie- drichs des Großen war. Nach ihr wurde hier unter anderem der Charlottensee benannt, in Berlin das Schloss Charlottenburg samt Stadtteil. Da Iburg an einem Einschnitt des Teutoburger Waldes liegt, war es immer auch strategisch wichtig. Genau im Grenzgebiet liegend zwischen Osnabrücker Land im Norden und Münsterland im Süden, wechselten nach der Besetzung der Schweden im Dreißigjährigen Krieg die Katholischen und Evangelischen Fürstbischöfe ein- ander ab. Und noch heute liegt Bad Iburg in Niedersachsen direkt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. 1953 schließlich wird Bad Iburg Kneipp-Kurort und erhält 1959 aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung die Stadtrechte wieder- verliehen.

Sehenswertes:

Oben auf einem Vorsprung des Teuteburger Waldes gelegen, trohnt das ehemalige Residenzschloss Iburg. Die Aussenfassade ist weiss verputzt und wirkt recht uneinheitlich, ein Zeugnis vieler Umbauten. Durch einen breiten Torboge erreicht der Besucher über Kopfsteinpflaster den Innenhof. Hier befindet sich auf der linken Seite der achteckige Bergfried, der auf den Resten einer sächsischen Fliehburg aus dem 11. Jahrhundert errichtet wurde und der damit den ältesten noch erhaltenden Teil der gesamten Schlossanlage bildet. Der die gesamte Anlage überragende Turm wurde in seiner heutigen Form um 1500 erbaut. Im Volksmund wird er ‚Bennoturm’ genannt, nach dem Bennedektiner und Klostergründer Benno. Denn ursprünglich diente die Iburg sowohl als Schloss als auch als Kloster. Auf der rechten Seite befindet sich die katholische St. Clemenskirche. Das aus Bruchstein errichtete Gotteshaus stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Innerhalb des Gebäudes befindet sich auch eine evangelische Schlosskirche, denn nach der in Osnabrück eingeführten ‚alternierenden Sukzession’ mussten katholische und evangelische Landesherren jeweils einander ablösen. Zunächst hatte die evangelische Schlosskirche nur als Hofkapelle für den Bischof gedient, später wurde sie auch dem Volk zugänglich gemacht. Ihre barocke Erstausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Heute ist das Iburger Schloss ist Sitz des Amtsgerichts Bad Iburg sowie seit Mai 2005 Sitz der Niedersächsischen Schulinspektion. Im Rittersaal wird die Ausstellung Zwischen Prunkgeschirr und Wäscheleine – die Rekonstruktion des Rittersaales der Iburg gezeigt. Er ist bei Schlosskonzerten und bei Führungen sowie anderen öffentlichen Veranstaltungen zugänglich.

  

Geschichtlicher Ablauf

1070 Ursprünglich existierte hier auf der Anhöhen des Teuteburger Waldes eine sächsische Fluchtburg. Die Bischöfe Benno I. (1052-1067) und Benno II. (1068-1088) errichteten an deren Stelle eine feste Burganlage mit Holzkapelle und bauten diese zur Residenz der Fürstbischöfe von Osnabrück aus. 600 Jahre lang diente Schloss Iburg sowohl als Residenzschloss als auch als Kloster.
1080 Gründung eines Benediktinerklosters durch Benno II. Auf ihn geht auch die St. Clemens-Kirche zurück.
13. Jhd. Die St. Clemens Kirche wird in seine heutige Form umgestaltet.
um 1500 Errichtung des achteckigen Bergfrieds auf den Resten des aus dem 11. Jahrhundert stammenden Gebäudes durch Bischof Konrad von Rietberg. Der Turm bildet heute den ältesten erhaltenen Teil der Schlossanlage und wird in der Bevölkerung ‘Bennoturm’ genannt.
1534 Gefangenhaltung von Angehörigen des Täuferreichs von Münster (die sogenannten ‘Wiedertäufer’ im Bennoturm. Nach Verhör und Folter, welche einem der Gefangenen bereits das Leben kostete, wurden bis auf einen alle enthauptet.
17. Jhd. Umgestaltung von Burg und Kloster zu einer gegliederten Schlossanlage durch Fürstbischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 bis 1623). Der heutige Rittersaal entsteht als Jagd- und Speisesaal.
1621, 23, 33 Schwere Schäden durch Plünderungen während des Dreißigjährigen Krieges
1632 Besatzungen durch die Niederländer
1634–50 Besatzung durch die Schweden. Sie vertrieben die Mönche, die erst 1645 wieder zurückkehren konnten und ließen das Schloss stark verfallen. Beim Abzug schließlich hinterließen sie die Anlage in einem miserablem Zustand.
1650 Rückkehr von Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg auf das Schloss, der zuvor vor dem Schwedenheer geflohen war. In den folgenden Jahren ließ er ganze Gebäudeflügel von Grund auf erneuern.
1656/57 Johannes Crafft gestaltete den Rittersaal. Mit seiner Deckenmalerei von Andrea Alovisii in perspektivischer Scheinarchitektur bietet er eine herausragende Besonderheit. Sie zeigt den Göttervater Zeus im Mittelpunkt, umrahmt von den Heldentaten des Herakles. Das Gemälde ist das einzige dieser Art, das nördlich der Alpen noch im Original erhalten geblieben ist. An den Wänden zeigen 73 Porträtgemälde die Osnabrücker Bischöfe und Landesherren in der Iburg. Der Steinfußboden besteht aus in Rautenform verlegten blau-schwarzen und weiß-grauen Fliesen. Sie symbolisieren das bayrische Wappen Franz Wilhelm von Wartenbergs.
1664 Integration der evangelischen Schlosskirche im ersten Obergeschoss des Südflügels oberhalb des Tores durch Ernst August I., dem ersten lutherischen Bischof aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg. Zunächst diente sie nur als Hofkapelle für den Bischof. Die barocke Erstausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Im Fürstbistum Osnabrück war die alternierenden Sukzession eingeführt worden. Diese besagte, dass katholische und evangelische Landesherren jeweils sich einander ablösen mussten.
1668 Geburt von Sophie Charlotte als Tochter von Ernst August I. und Sophie von der Pfalz auf Schloß Iburg. Sie wurde 1701 erste preußische Königin.
1673 Umzug der fürstbischöfliche Familie in das neu gebaute Schloss Osnabrück, das damit neues Residenzschloss wurde. Damit endete die 600 Jahre lange Ära der Bischöfe von Osnabrück auf Schloss Iburg.
1674 Vollendung der Wiederaufbauarbeiten.
18. Jhd. Klosterneubau durch den westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun. Die Innenausstattung der St. Clemens-Kirche wird barock umgestaltet.
1716 Nach dem Tode Ernst August I. ließ dessen katholischen Nachfolger die evangelische Schlosskirche schließen. Als mit Ernst August II. wieder ein evangelischer Landesherr die Regentschaft übernahm, ließ dieser die Kirche wieder öffnen und renovieren.
1781 Fertigung des schmiedeeisernen Eingangstors an der so genannten ‘Klotzbahn’.
1803 Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster am 13. Februar als erstes im Fürstentum Osnabrück aufgehoben. Zu dieser Zeit hatte das Konvent noch 22 Mitglieder.
1803–07 Die St. Clemens-Kirche diente als Pulvermagazin.
1836 Übertragung der St. Clemens Kirche der katholischen Kirchengemeinde.
1890 Umgestaltung der St. Clemens-Kirche im Neo-Gotischem Stil.
1913 Anbau eines Treppenvorbaus im Stil der Neurenaissance. Er dient als Aufgang für die evangelische Schlosskirche. Gestiftet wurde dieser durch Berta von Bardeleben. Ihr Wappen befindet sich im Bleiglasfenster des Treppenvorbaus.
1885-1932 Sitz der Kreisverwaltung Iburg.
1934–39 Sportschule der Sturmabteilung der NSDAP.
1942–45 Nutzung als ‘Deutsche Heimschule Schloss Iburg‘. Das Internat war die erste Oberschule im damaligen Flecken Iburg.
1948–71 Als ‘Niedersächsische Heimschule Iburg’ sollten die Schule jetzt vor allem dazu dienen, Kindern aus Flüchtlings- und Vertriebenenfamilien den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen.
1971 Umwandlung in eine Halbtagsschule, das Internat wurde geschlossen.
1971–2004 Nutzung als Polizeischule. Danach ging die Liegenschaftsverwaltung an das Niedersächsische Kultusministerium über.

Das neugestaltete Schlossmuseum wurde im Jahre 2002 mit der Dauerausstellung ‘Befestigung, Bischofsresidenz, Kloster – archäologische Forschungen auf der 1200 Jahre alten Iburg’ eröffnet. In der Ausstellung wird die Entstehungsgeschichte der Doppelanlage von Schloss und Klosteranlage nachvollzogen. Zu den Exponaten zählen Abtsstäbe, Teile einer Armbrust aus dem hohen Mittelalter sowie Alltagsgegenstände wie Schreibgriffel, Bodenfliesen und Behältnisse aus Keramik. Sie stammen aus archäologischen Grabungen aus der Umgebung. Die Bischöfe und Mönche, die einst in den Mauern des Schlosses wohnten, haben viele Alltagsgegenstände hinterlassen, die etwas über das frühere Leben erzählen. Ein besonders beachtenswerter Teil des Schlossmuseums ist das Münzkabinett. Präsentiert werden Münzen und Medaillen aus 800 Jahren Münzgeschichte des Osnabrücker Landes. Der Schlossverein Iburg e. V. ist Träger des Museums.

Das Uhrenmuseum von Bad Iburg zeigt über 800 Exponate aus 300 Jahren Uhrengeschichte, darunter auch 17 Kirchturmuhren.

Der Speicher des Hofes Averbeck in Bad Iburg wurde in den 90er Jahren restauriert. Seit 1998 wird er als Heimatkundliches Museum genutzt. Betrieben und organisiert wird es vom Heimatverein Glane und vom Verein für Orts- und Heimatkunde. Neben ständigen Dauerausstellungen werden auch wechselnde Sonderausstellungen präsentiert.

Der Charlottensee ist ein künstlich angelegter Teich im Kurpark unterhalb des Schlosses Iburg. Er besitzt eine Fläche von gut 15,5 ha und wurde 1932 bis 1933 geschaffen. Früher befand sich an dieser Stelle der Mühlenteich der Schlossmühle. Aber nachdem die Mühle seit 1900 nicht mehr mit Wasserkraft betrieben wurde, versumpfte der Teich zusehends. Die Schlossmühle selber blieb erhalten und dient heute als Restaurant. Der See liegt heute eingebettet in einer hübschen Gartenanlage. Im Jahre 1992 wurde eine Veranstaltungsinsel im See angelegt und der nordöstliche Bereich des Geländes neu gestaltet. Man kann hier Boote ausleihen und den See damit befahren. Der Charlottensee wurde benannt nach Sophie Charlotte, die 1668 als einzige Tochter des Fürstbischofspaars im Iburger Schloss geboren wurde und als spätere Ehefrau von Friedrich I. erste Königin in Preußen wurde.

Im Waldkurpark von Bad Iburg wurde ein Naturentdeckungspfad eingerichtet. Der Weg ist 1,3 Kilometer lang und umfasst zwanzig Stationen. Schautafeln an den verschiedenen Standorten vermitteln jeweils einen Überblick über Flora und Fauna.

Im Frühjahr bietet sich dem Spatziergänger und Wanderer ein besonderes imposantes Naturschauspiel, wenn die Hänge des Wandergebietes ‘Freden’ und der Schlossberg von den violett-rot und weissen Blüten des Lerchensporns geprägt werden.

Die Fleckenskirche St. Nikolaus in Bad Iburg ist die älteste Hallenkirche im Osnabrücker Land. Sie wurde im romanischen Stil erbaut und später im gotisch umgebaut. Der Flecken Iburg bezeichnet die Gemarkung, die unterhalb von Schloss und Benediktinerabtei Iburg entstand.



Radrouten die durch Bad Iburg führen:

Friedensroute
100 Schlösser Route – Nordkurs
Sagenroute
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Bad Laer

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m Übergang zwischen Osnabrücker Land im Norden, Münsterland im Süden und Ostwestfalen im Osten liegt das Sole-Heilbad Bad Laer am Südwesthang des 208 m hohen Blombergs, einem Ausläufer des Teutoburger Waldes. Das Wahrzeichen, der ‚Griese Torn’ überragt die gemütliche Innenstadt. Der um 1050 erbaute romanische Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Marien ist der einzige mittelalterliche Turm im Osnabrücker Land, der ein Satteldach mit Treppengiebel besitzt. Die Kirche ist von einer Kirchhofsburg umgeben. Ein Ring von Häusern umgibt das Gotteshaus. Ursprünglich standen diese so dicht, dass sie einen geschlossenen Wall nach außen bildeten. Wie es sich für einen modernen Kurort gehört, bietet Bad Laer vielfältige Möglichkeiten zum Radwandern, Wandern, Reiten und für Nordic Walking. Die natürliche Sole wurde bis 1973 aus der alten Martinsquelle versorgt. Heute wird sie aus 160m Tiefe gefördert.

Sehenswertes:

Das Heimatmuseum von Bad Laer zeigt verschiedene Exponate aus der Geschichte des Ortes. So wird im ‘Leinenraum’ ein Webstuhl aus dem 18. Jahrhundert gezeigt. Eine Besonderheit aber ist die sogenannte ‘Geschiebesammlung’, eine Kollektion von Findlingen, die ursprünglich aus dem skandinavischen Raum und dem Ostseegebiet stammen. In der Eiszeit wurden sie von Gletschern soweit nach Süden verschoben, bis sie hier in Bad Laer im Bereich der Heideseen und des Kalvarienberges zum Liegen kamen.

Seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts wurden viele Kirchhofsburgen errichtet, so wie es eine auch in Bad Laer gibt. Sie wurden damals auch Spiekerburgen genannt. Um sich gegen Feuer und Überfälle zu schützen, baute man um die Kirche herum einen Kreis von Häusern, die so dicht beieinander standen, dass sie ein Bollwerk nach außen bildeten. Die Kirchhofsburg am Thieplatz ist noch recht gut erhalten.

Der 208 Meter hohe Blomberg bietet als Erholungsgebiet eine ganze Anzahl von Spatzier- und Wanderwegen mit verschiedenem Schwierigkeitsgrad. Blomberg bedeutet auf Niederdeutsch Blumenberg. Das hat seine Ursprung darin, dass hier in der Kreidezeit mehrere Kalkablagerungsschichten entstanden, die sehr nährstoffreich sind. So siedelten sich hier neben Buchenwäldern und zahlreichen Sträuchern auch eine Vielzahl verschiedener Blumen an, wie Bingelkraut, Aronstab, Perlgras, Waldmeister, Wurmfarn, Veilchen, Goldnessel, Bärlauch und sogar Orchideen.

Mitten im Niemandsland, zwischen den Ortschaften Bad Laer, Versmold und Füchtorf liegt das Dreiländereck. Nichts deutet mehr darauf hin, dass hier einmal eine Staatsgrenze existierte, an der sich Kulturen, Religionen und Wirtschaftsräume schieden. Hier trieben bewaffnete Schmugglerbanden ihr Unwesen, Räuberbanden benutzten diese Gegend als Unterschlupf, um Handelsreisende zu überfallen. Hier am Dreiländereck trafen bereits im 13. Jahrhundert die Grenzen des Bistums Münster, des Hochstifts Osnabrück und die Grafschaft Ravensberg aufeinander. Über die Jahrhunderte war die Gegend ständigen regionalen Konflikten ausgesetzt. Im Jahre 1609 schließlich fiel die Grafschaft Ravensberg an das Kurfürstentum Brandenburg, aus dem 1701 das Königreich Preußen wurde. Später, im Jahre 1815, wurde auch Münster preußisch, Osnabrück folgte 1866. So wurde die Staatsgrenze am Dreiländereck aufgehoben. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde Preußen aufgelöst. Bei der Neuordnung der Länder im Jahre 1946 wurden die alten Grenzlinien wieder aufgenommen, um neue Länder und Landkreise zu markieren. So trafen fortan an dieser Stelle die Kreise Warendorf, Halle und Osnabrück aufeinander, außerdem trennt hier die Grenze die neu geschaffenen Länder Nordrhein-Westfalen (Warendorf und Halle) von Niedersachsen (Osnabrück). Bei der Gebietsreform 1972 ging Halle im Kreis Gütersloh auf. Auf einem alten Grenzstein findet man noch die Buchstaben ‘P’ für Preußen und ‘H’ für Hannover.

Der höchste Punkt auf der Straße nach Glandorf markiert den Kalvarienberg. Auf der linken Seite entdeckt man eine uralte, verkrüppelte Linde. Sie verdankt ihre merkwürdige Wuchsform der Ursache, dass man einst ihre Krone kappte, um an dieser Stelle eine Kanzel anbringen zu können. Der Baum wird daher auch ‘Prediger-Linde’ genannt. Vor dem Baum steht das ‘Buschkotten Krüß’. Dieses Kreuz wurde vom Bauern Buschkotte im Jahre 1829 errichtet, nachdem sein Sohn an dieser Stelle von einer Gesichtsrose geheilt wurde. Gegenüber schließt sich ein Kreuzweg an, der vom Schulvikar Sommer Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Bereits im 13. Jahrhundert hatten hier die Gemeinden Laer und Glandorf gemeinsame Gottesdienste abgehalten. Sommer errichtete den 275 Meter langen Kreuzweg gemeinsam mit seinen Schulkindern. Das Land hatten einige Bauern zur Verfügung gestellt, entscheidende finanzielle Hilfe erhielt er von einigen nach Amerika ausgewanderten Bürgern. Aus diesem Grund wird die neugotische Kapelle auch ‘Auswandererkapelle’ genannt. Sie wurde 1861 errichtet. Im gleichen Jahr tauschte man die 14 ursprüngliche hölzernen Stationsbilder aus dem Jahre 1857 gegen wetterfeste Steinplastiken aus. Alten Überlieferungen zufolge befand sich hier auf dem Kalvarienberg bereits früher eine germanische Fluchtburg sowie in späteren Jahren eine Gerichts- und Kultstätte.

Auf einer Waldlichtung des Blomberges befindet sich in einem Fachwerkhaus seit 2000 einen Lehrbienenstand. Er bietet eine liebevoll zusammengetragene Ausstellung mit imkerlichen Utensilien. In einem Schaukasten kann man ein Minivolk und Großvölker mit je 50 bis 70.000 Immen bestaunen.

Der große Thieplatz mit seinen kleinen Grünanlagen und seinen Wasserspielen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Er gehört im gesamten niedersächsischen und westfälischen Siedlungsgebiet zu den wenigen Orten, wo noch der historisch ursprüngliche Kern erkennbar ist. An ihm sind noch einige kulturhistorisch wichtige Bauten erhalten, wie  das Fachwerkhaus Beutelmann, das Wohn- und Wirtschaftsgebäude Richard sowie das Hotel Storck. Die ältesten aus Stein gebauten Häuser des Thieplatzes sind das Haus Blase und das Haus Heimsath.

Schon vor Jahrtausenden sollen hier kultische Spiele betrieben worden sein. Am ersten Ostertag fanden auf dem Thie bis in die frühere Vergangenheit Schlagballspiele statt. Hier war das Dorfzentrum, hier fanden unter freiem Himmel die Versammlungen statt, hier wurde Gericht gehalten. Im Mittelalter diente der Thie auch als Übungsplatz für die Bauernwehr. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit der aufstrebenden Leinenweberei fand in Laer auf dem Thie ein großes Wettspinnen mit anschließendem Volksfest statt.

Der Thieplatz umfasste im Mittelalter auch den heutigen Paulbrink, wo der Schandpfahl stand. Daher leitet sich der Name ab: ‘Pauol’ ist niederdeutsch und bedeutet ‘Pfahl’.

Der Kurort Bad Laer besitzt mit der Martinsquelle eine natürliche und heilende Sole. Von 1938 bis 1973 nahm man das Wasser aus der ‘Alten Martinsquelle’, danach wurde es aus 160 Meter Tiefe aus der ‘Neuen Martinsquelle’ gefördert. Die aus der Martinsquelle austretende Solewasser speist sowohl das unterhalb liegende Wassertretbecken als auch den Glockensee.

Im 17. und 18. Jahrhundert war das Spinnen und Weben eine vorrangige Erwerbsquelle für die Bevölkerung der Region. Das Leinen aus dem Ort Laer hatte einen hervorragenden Ruf. So entwickelte sich Laer zum wichtigen Leinenzentrum im Osnabrücker Land. An das Leinengewerbe erinnert heute auf dem Paulbrink die Statue eines Leinenwebers.

Der Griese Torn, der romanische Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Marien ist das Wahrzeichen von Bad Laer. Er besitzt anstatt einer Kirchturmspitze ein Satteldach mit Treppengiebel, was einzigartig im Osnabrücker Raum ist.

  

Geschichtlicher Ablauf

 

1010 – 50

Bau des Griese Torn. Die Quader aus Laerschen Sinterkalk geben eine Mauerdicke von 2 Metern. Das zeugt von dem Umstand, dass der Turm nicht nur kirchlichen Zwecken, sondern auch dem Schutz der Bürger diente. In der unteren Hälfte des Turmes sind sogar Schießscharten zu erkennen, was den wehrhaften Charakter des Turmes noch einmal betont. Das ursprüngliche Kirchenschiff existiert nicht mehr.

1871-73

Bau der Hallenkirche. Sie besteht aus drei Längsschiffen und vier hohen Jochen im Langhaus. Eingeweiht wurde sie 1874.

1924

Einbau der Buntfenster aus Kevelaer.

1939

Neuerrichtung der Portale.
1949 Guss der Bronzeglocken. Das Gewicht der größten Glocke beträgt 2110 kg.

Nach dem großen Brand von 1767 wurde in Laer der Notbrunnen gebaut. Dieser war ein großes, offenes Wasserbecken mit einer Steintreppe. So konnten die Bürger beim Ausbruch eines Brandes sofort mit dem Löschen beginnen. Am Südrand des Paulbrinks erinnert noch eine Holzverschalung an diese Besonderheit.

Der Sage nach ließen Laerer Bürger eine Glocke für ihren Kirchturm gießen. Der Guss gelang zwar, aber man hatte vergessen, die Glocke weihen zu lassen. Beim ersten Glockengeläut erschien der Teufel unter tosendem Brausen und riß die Glocke aus dem Turm, um kurz darauf mit der Glocke in der Tiefe der Salzquelle zu verschwinden. Lange Zeit sollen die Schäden am Turm, die der Teufel hinterließ, noch zu sehen gewesen sein. Und lange Zeit blieb der Kirchturm verwaist und es läuteten keine Glocken. Aber an hohen Feiertagen tönte die im See versenkte Glocke leise aus dem Untergrund als Mahnung, Gott niemals zu vergessen! Das soll sie angeblich noch heute noch tun, aber nur, wenn ebenfalls die inzwischen wieder installierte und diesmal auch geweihte Glocke vom Turm der Marienkirche erklingt.

Einer Sage aus dem 12. Jahrhundert nach lebte im Norden von Laer, in Westerwiede, ein Bauer, der insbesondere bei schlechtem Wetter über den langen und beschwerlichen Weg zur Kirche fluchte. An einem Weihnachtsmorgen, als es stürmte und schneite, und der Bauer wieder schimpfend auf seinem Wege zur Kirche war, trat der Teufel an ihn heran und bot ihm im Austausch für seine Seele an, eine Kirche ganz nah an seinem Hofe zu bauen. Er solle nur die Frist bestimmen. Der Bauer entgegenete: ‘Sobald der erste Hahnenschrei am Morgen ertönt, soll die Kirche fertig sein’. Mit Hilfe aller bösen Geister fing der Teufel an, Quader und Steine für den Bau der heranzutragen. Die Kirche gewann rasch an Gestallt, und der Bauer bekam es mit der Angst zu tun. Schließlich fehlte nur noch der Schlußstein. Da schickte der Bauer ein Stoßgebet zum Himmel und rief: ‘Gott, hilf mir!’. Und Gott sendete ihm den rettenden Gedanken – er rief laut ‘Kikeriki!’ Der Teufel, der gerade mit dem Schlußstein angeflogen kam, schleuderte diesen voller Wut gegen die unvollendete Kirche, so dass diese in sich zusammenfiel. Die Trümmer blieben bis heute liegen und wurden fortan die Teufelssteine genannt. Einer anderen Sage nach hat der Teufel in einem im heutigen Kurpark liegenden Findling seinen Handdruck hinterlassen.

Der Kurpark von Bad Laer bildet einen besonderen Anziehungspunkt des Ortes. Er gilt als besonders schön und wurde als Erlebnis-Kurpark ausgebaut.

Zwei Seen befinden sich im Park. Im Springmeyers Kolk entspringt eine Solequelle, die das Wasser außergewöhnlich färbt. Es fließt weiter durch den Salzbach in den Glockensee – so genannt, weil der Teufel hier einmal eine Kirchenglocke versenkt haben soll. Hier befindet sich auch das historische Restaurant „zur Mühle“ mit seiner gehobenen, mediterran geprägten Küche. Am Glockensee hat sich bereits nachweislich im 16. Jahrhundert eine Mühle befunden, ein Mühlenrad wird noch bis heute durch das fließende Gewässer angetrieben.

Eine Besonderheit des Kurparkes ist der Gradier-Pavillon. Hier rieselt hochprozentige Sole direkt aus der Martinsquelle durch vier Meter hohe Reisigwände. Die Salze zerstäuben dabei zu feinstem Nebel und bilden so ein wohltuendes, meerähnliches Klima. Das stimuliert die Durchblutung der Lunge und den Sauerstofftransport ins Blut auf natürliche Weise. Auf diese Weise werden Atemwegserkrankungen, Pollenallergien und Erkältungskrankheiten gelindert.

Der Eiskeller, ein ehemaliger Salzbergstollen unweit des Kolks, wurde bereits im 19. Jahrhundert im Sommer als Kühlraum für Getränke genutzt.

Fühlen Sie im Barfußpark mit Ihren Sinnen und Ihren Füßen den besonderen Reiz von Holz, Steinen, Rindenmulch, Gras, Lehm und Wasser. Spüren und unterscheiden Sie kalt und warm, trocken und feucht. Daneben haben Sie die Möglichkeit, im Wassertretbecken etwas für Ihre Gesundheit zu tun und nach kneippschen Grundsätzen Ihre Vitalität zu stärken.

Das umfangreiche Angebot des Erlebnis-Kurparks umfasst darüber hinaus einen Bewegungsparcours, der zum Trimmen, Turnen und Joggen einläd, einen Irrgarten, den Garten der Sinne, einen Spielplatz für die Kleinen, eine Kapelle und eine Bühne für Kurparkkonzerte.

Im Zentrum des Ortes an der Remseder Straße, direkt neben dem Kurpark gelegen, befindet sich der Daliengarten. In einem 8000 m2 großen, weitläufigen Park blühen farbenfroh die herrlichsten Dahlien. Ihre Blütezeit beginnt Mitte Juli und endet beim ersten Nachtfrost. Die Sortenvielfalt dieser prächtigen Blumenart ist schier unüberblickbar, einige Stauden werden bis zu drei Meter hoch. Die atemberaubende Blütenpracht des Gartens lockt im Sommer viele Besucher an.



Radrouten die durch Bad Laer führen:

Friedensroute
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Lienen

A
m südlichen Rand des Teutoburger Waldes liegt das ursprünglich landwirt- schaftlich geprägte Lienen, gleich hinter der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Inzwischen hat sich die Gemeinde mit dem kleinen historischen Ortskern zu einem staatlich anerkannten Erholungsort mit vielfältigen Möglichkeiten für Aktivurlauber gemausert. Besonders zu erwähnen ist der Nordic Walking Park. Mit seinen 35 Routen und mit über 300 km Strecke gilt er als der Größte in Norddeutschland. Die Lage Lienens am Natorpark TERRA.vita und dem Holperdorfer Tal im Teutoburger Wald einerseits und des flachen Münster- landes im Süden andererseits bieten darüber hinaus weitläufige Möglichkeiten zum Wandern. Auch hierfür ist ein ausgedehntes Netz geschaffen. Eine weitere Besonderheit ist der Lienener Barfußpark. Auf dem etwa 2,5 km langen Rund- kurs können Sie barfuß abwechselnd über verschiedene Untergründe laufen.

Sehenswertes:

Der Ortskern von Lienen wird geprägt von liebevoll restaurierten Zweiständer-Fachwerkhäusern rund um den Thieplatz, die Kirche und den Dorfteich. Das auffälligste Gebäude im Zentrum Lienens ist das ‚Hohe Haus’. Ursprünglich stand hier ein Jagdschlösschen der Grafen von Tecklenburg, das jedoch Anfang des 18. Jahrhunderts abgerissen wurde. An gleicher Stelle wurde nach dem Vorbild herrschaftlicher Bauten des 18. Jahrhunderts ein zweistöckiger Fachwerkbau mit Mansardenwalmdach errichtet.

Eine besondere Attraktion ist der Barfußpark. Auf einer Streckenlänge von 2,5 km soll man mittels der blanken Füße Untergründe fühlen, Natur erfahren sowie die Sinne beleben und anregen. Der Weg führt durch Wasser, über Gras, Holz, Rindenmulch, Kiesel, Splitt, Schotter, Lehm, Kalkstein, Sand, Erde, Beton und Pflastersteinen. Darüber hinaus gilt regelmäßiges Barfuß laufen als gesund, weil es das Herz-Kreislaufsystem anregt, den Blutdruck reguliert und durchblutungsfördernd wirkt. Start und Ziel des Rundkurses befinden sich direkt neben dem Dorfteich und der Tourist-Information im Haus des Gastes. Der Eintritt in den Park ist frei.

Der “Nordic Walking Park Tecklenburger Land” gilt als größter Park seiner Art in Norddeutschland. Er wurde 2005 eröffnet und bietet ein ungefähr 300 Kilometer langes Wegenetz mit 33 Routen aller Schwierigkeitsgrade und unterschiedlicher Höhendifferenzen an. So werden alle Anforderungsprofile bedient, sowohl für Einsteiger mit Rundkursen auf einfachen Strecken, als auch für durchtrainierte Sportler mit Strecken, die Höhenunterschiede von bis zu 288 m aufweisen und bis zu 17 km lang sind. Aber auch für den einfachen Wanderer und Spatziergänger sind die Wege geeignet.

Das Holperdorper Tal in Lienen zählt zu den schönsten Tälern des Teutoburger Waldes. Mit seinen sanft geschwungenen Hügeln bietet es wunderschöne Ausblicke und reizvolle Wanderwege. Besonders beliebt ist das Holperdorper Tal während der Kirschblüte, es wird auch als Tal der Kirschen genannt.

Wo einst die Staatsgrenze zwischen dem Bistums Münster und dem Hochstifts Osnabrück verlief, befindet sich heute noch die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Friedensbank markiert diesen Grenzverlauf und bietet dem Reisenden die Gelegenheit, kurz einmal Ruhe und Besinnung zu finden.

Am südlichen Hang des Teutoburger Waldes auf 225 m über dem Meeresspiegel befindet sich die wohl nördlichste Jausenstation: Malepartus. Diese kleine Plateau, von dem man einen herrlichen, weiten Blick über das Münsterland genießen kann, war bereits Ende des 19. Jahrhunderts Ausrichtungsort für das Lienener Schützenfest. Im Jahre 1910 befand sich hier mit einer Blockhütte bereits eine Raststation für Wanderer. In den 30ger Jahren wurde die Wirtschaft bei Wanderern und Ausflüglern immer beliebter, so wurde Malepartus immer wieder ausgebaut, bis der Betrieb gegen Ende der 60ger Jahre dann doch eingestellt wurde und das Gebäude in der Folgezeit dann mehr und mehr verfiel. Erst Mitte der 90er Jahre erwachte es aus seinem Dornröschenschlaf, als man hier in die alten Räumlichkeiten renovierte und ein modernes Restaurant mit bayrischem Ambiente eröffnete.

Der Name Malepartus stammt aus der Tierfabel ‘Reinecke Fuchs’ von Johann Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs nennt darin sein Schloß ‘Malepartus’. So dient der Fuchs auch heute als Wahrzeichen für die Waldwirtschaft.



Radrouten die durch Lienen führen:

Friedensroute
Sagenroute
Radroute Historische Stadtkerne
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Ostbevern

A
uch Ostbevern war ein sogenannter ‚Ort der Mitte’, wo Vorverhandlungen zum Westfälischen Frieden hätten stattfinden sollen, wozu es dann allerdings nie kam. Das zum Fürstbistum Münster gehörende Kirchspiel wurde 1088 erstmals als ‚Beverne’ erwähnt. Zeugen aus der Vergangenheit sind die alte Mühle mit der Sammlung Kock’s Kutschen und historische Raitäten, das Heimathaus, die Pfarr- kirche St. Ambosius, von der teile des Turmes noch aus dem 12. Jahrhundert stammen sowie das alte Pastorat aus dem Jahre 1640. Das Wasserschloss Loburg stammt ursprünglich aus dem Jahre 1760 und wurde vom berühmten westfä- lischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun errichtet. Nach einem Blitz- schlag 1899 brannte das Schloss vollständig ab. Bereits im folgenden Jahr wurde mit dem vergrößerten Wiederaufbau in Anlehnung an das alte Bauwerk begon- nen und 1901 fertig gestellt. Heute dient es als Privatschule und Internat.

Sehenswertes:

Am Rande eines großen Rhododendrenparks gelegen, liegt das Schloss Loburg. Ursprünglich war das Wasserschloss im Jahre 1760 durch Johann Conrad Schlaun als kleines zweistöckiges Barockschloss erbaut worden. Aber im Jahre 1899 wurde die Anlage von einem Blitz getroffen und brannte daraufhin völlig nieder. Man baute es sofort wieder im Schlaun’schen Stil vergrößert wieder auf. Der rote Backsteinbau mit der Sandsteingliederung beitzt einen Mittelrisaliten aus Sandstein, der oben von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen wird. Bekrönt wird das Schloss von einem Glockentürmchen. Vor dem Hauptportal befindet sich eine Flügentreppe. Auch auf der Rückseite befindet sich eine doppelläufige Freitreppe, die direkt an der Gräfte endet Da Schloss Loburg als Internatsgymnasium genutzt wird, ist eine Innenbesichtigung nicht möglich. Aber es finden im Rittersaal regelmäßig Konzerte statt. Von außen ist die gesamte Anlage mit dem Innenhof frei zugänglich. Der Rhododendrenpark hinter dem Schloss läd zu einem Spatziergang ein. Die Blütezeit der Rhododendren reicht von Januar bis August, die meisten Gattungen blühen aber im April/Mai.

  

Geschichtlicher Ablauf

1294

Erstmalige Erwähnung als Schulzenhof der Herren von Lohove

1412

Urkundliche Erwähnung eines ‚Castrum Johannes de Beveren’. Demnach war das Schloss eine Ritterburg, die von einer bis zu 20 Meter breiten Gräfte umgeben war. Die Herren des Schlosses besaßen zu jener Zeit einen Sitz sowie eine Stimme in der landständigen Versammlung des Fürstbischofs von Münster.

1760

Das marode Schloßgebäude wird abgerissen. An selber Stelle entstand nun ein kleines zweistöckiges Barockschloss, erbaut nach den Plänen des großen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Es besaß bereits eine Flügeltreppe, seitlich vorspringende Risalite, ein Mansardendach und einen ovalen Innenhof. Im Schloss wurden Stuckarbeiten und Täfelungen angebracht.

1785

Zwangsversteigerung des Schlosses durch Johann Kaspar von Nagel, dem Sohn des Bauherren. Neuer Besitzer wurde Friedrich Clemens von Elversfeldt, ein Ahne der heutigen Besitzer.

1899

Ein Großfeuer, hervorgerufen durch einen Blitzschlag, vernichtete das barocke Schloss bis auf die Grundmauern.

1900-02

Neubau des Schlosses in stilistischer Anlehnung an das ursprüngliche Gebäude nach Johann Conrad Schlaun, jedoch stark vergrößert. Kurz darauf entstand der Rhododendrenpark hinter dem Schloss.

1951

Verpachtung von Schloss Loburg mit allen Nebengebäuden an das Bistum Münster. Bischof Michael Keller gründete hier das ‚Collegium Johannium’, ein katholisches Internat mit Gymnasium, während die Eigentümer seitdem die ehemalige Rentei, die ‚Lüttge Loburg’ bewohnen.

In über 5000 Exponaten wird hier die Entwicklung des Waschens nachvollzogen. Vom Waschzuber über Kaltmangeln und Waschbretter bis hin zur Seife gibt es alles zu sehen, was mit dem Säubern zu tun hat. Das älteste Ausstellungsstück stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Großteil der Sammlung stammt aber aus dem letzten Jahrhundert.

Die ‚Alte Mühle’, eine ehemalie Buke- und Kornmühle, stammt aus dem Jahr 1776. Die Familie Kock restaurierte sie 1968 und richtete sie neu ein. In einem Nebengebäude hat der Besitzer der Wassermühle ein Kutschenmuseum eröffnet. Hier finden sich zahlreiche Planwagen, Bauernkutschen, eine Brake, Pferde- und Hundeschlitten aus der Vergangenheit. Darüber hinaus wurde eine Rüst-, Geschirr- und Sattelkammer sowie eine alte Schmiede eingerichtet.

Das Geburtshaus des Bischofs Johannes Prangenberg, ein Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert, wurde 1995 dem Heimatverein Ostbevern e.V. überlassen, der das Haus daraufhin restaurierte. Heute zeigt der Heimatverein dort eine Sammlung handwerklichen und bäuerlichen Brauchtums. Übrigens sind im Heimathaus auch Eheschließungen möglich.

Der 397 gestorbene Ambrosius war Bischof von Mailand. Er ist der Patron der Pfarrkirche.

  

Geschichtlicher Ablauf

1194 Vermutlicher Bau einer ersten hölzernen Kirche. Der untere Teil des heutigen Kirchturms stammt noch aus dieser Zeit.
16. Jhd. Zu Beginn des Jahrhundert Bau eines dreijochigen gotischen Saales mit dreiseitigem Chor.
1886 Ausbau der Kirche, Erhöhung des Kirchturms auf 60 m.
1960-62 Weiter Ausbau, so dass sich der heutige Kirchenraum westlich an den Kirchturm anschließt.

Gleich neben der Pfarrkirche St. Ambrosius befindet sich in der Dorfmitte das alte Pastorat. Das Fachwerkhaus stammt aus dem Jahre 1640 und gehört zu einem nur noch wenig erhaltenen Bautyps, der sowohl Form als auch Funktion von Pfarr- und Bauernhaus vereint. In den Jahren 1978 und 79 wurde es zu einer Altentagesstätte mit Pfarrbücherei umgebaut. Zusammen mit der Kirche prägt es das Bild der Ortsmitte.

Die Nepomukbrücke ist eine alte dreibogige Steinbrücke,die über die alten Bever verläuft. Auf dieser Brücke befindet sich das Standbild des heiligen Nepomuk, geschaffen vom 1754 geborenen Bildhauer Joseph Guidobald Licht.



Radrouten die durch Ostbevern führen:

Friedensroute
100 Schlösser Route – Nordkurs
100 Schlösser Route – Ostkurs
Grenzgängerroute Teuto-Ems




Glandorf

G
landorf, die südlichste Gemeinde des Landkreises Osnabrück, besitzt einen ländlich-bäuerlichen Charakter. Ein Wahrzeichen des Ortes ist die Windmühle aus dem Jahr 1839 mit einem dazugehörigen Backhaus. Bis 1960 war die Mühle in Betrieb. Nach der Gemeindereform 1972 wurde Glandorf kurzzeitig Bad Laer zugeteilt, seit 1981 ist der Ort wieder selbstständig. Während des 30jährigen Krieges, so berichten die Chroniken, konnten die Glandorfer den gestellten Vorderungen der schwedischen Besatzer nicht mehr nachkommen. Daraufhin wurde das Dorf im Jahre 1639 von schwedischen Soldaten vollständig nieder- gebrannt. Glandorf gilt heute als ‚Spargelhochburg’ im Osnabrücker Land. Zahlreiche Landwirte haben sich auf den Anbau dieses Gemüses spezialisiert und in der Spargelsaison von Mitte April bis Ende Juni kann man frischen Spargel direkt ab Hof kaufen. In dieser Zeit sollte man sich auf keinen Fall ein Spargelessen in einem der örtlichen Restaurants entgehen lassen.

Sehenswertes:

Die Glandorfer Windmühle ist der auffälligste Bau in der Gemeinde und deren Wahrzeichen

  

Geschichtlicher Ablauf

1839 – 40

Bau der Windmühle, um das Monopol der Wassermühlenbetreiber zu brechen.

1878

Verkauf an eine Privatperson, da größere Renovierungsarbeiten anstanden.

30er Jahre

Ein Dieselmotor ersetzte die Windenergie.

1960

Einstellung des Mühlenbetriebes, die Windmühle zerfiel zusehens.

1970

Erwerb des Bauwerkes durch die Gemeinde Glandorf. Die Fassade wurde neu verputzt und die Windmühlenflügel erneuert. Ansonsten stand das Mühlengebäude für lange Zeit brach.

1985-86

Vollständige Renovierung der Innenräume. Ein Windmühlenverein wurde gegründet, der die Mühle im Anschluß übernahm und in den Räumen verschiedene Veranstaltungen organisiert.

2000

Einrichtung eines Standesamtzimmers. Seitdem finden hier Trauungen statt.

SwinGolf ist eine vereinfachte Variante des traditionellen Golfsports. Den Namen bekam es durch den Begriff ‚Bewegung, dem ‚Swin(g)’. Im Jahre 1982 entwickelte der Franzose Laurent de Vilmorin einen Schläger und den ersten Swin-Ball für Spieler, die Golf auf einer einfachen Wiese ausüben wollen. So dient auch heute noch eine normale gemähte Wiese als Spielfläche. Der Ball ist etaws größer und weicher als der herkömmliche Golfball und das Ziel des Spieles ist es, diesen mittels des Schlägers über eine Spielbahn von 65 bis 300 Metern Länge in ein Loch zu befördern. In Frankreich hat sich SwinGolf bereits zur Trendsportart entwickelt, denn im Gegensatz zum klassischen Golf kann man diesen Sport ohne Vorkenntnisse betreiben. Da er auch von Kindern ab acht Jahren gespielt werden kann, eignet sich SwinGolf als Freizeitaktivität für die ganze Familie. Der Hof Horstmann betreibt neben einem Restaurantbetrieb eine solche Anlage, von denen es in Deutschland noch gar nicht so viele gibt. Daneben kann man auf der am Hof vorbeifließenden Bever Boot fahren oder im sogenannten Heuhotel übernachten.

  

Geschichtlicher Ablauf

1862 Der Lehrer Mathias Niehaus legte nach einem Gelübte einen Kalvarienberg mit Kreuzweg, Ölgarten und Grabmahl Christi an. Noch im selben Jahr gründete es den Maria-Joseph-Verein, der sich zur Aufgabe machte, eine Marienkapelle zu errichten. Niehaus selber hatte das gesamte Geld zusammengesammelt.
1863 Bereits am 4. August konnte die Kapelle eingeweiht werden. Mathias Niehaus aber starb im November desselben Jahres.
1865 Bau des Vikarhauses.
1866 Neubau einer größeren Kapelle im neogotischen Stil aus Bruchsteinen durch die Schweger Bürger, wobei der kleine Turm der ersten Kirche zunächst erhalten blieb. Die neue Kirche bot nun 400 Gläubigen einen Sitzplatz und besitzt seitdem einen großen Chorraum für Altar, Kanzel und Beichtstuhl sowie 10 große Kirchenfenster.

  

Geschichtlicher Ablauf

1270 Die ältesten Teile der heutigen Kirche stammen aus diesem Jahr. Im selben Jahrhundert wurde auch das hölzerne Vortragskreuz erschaffen, welches sich noch heute im Inneren der Kirche befindet.
1636 Während des 30jährigen Krieges brandschatzten schwedische Truppen am 6. Mai den Ort. Die Kirche brannte vollständig nieder, wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut. Aus dem 17. Jahrhundert stammt auch der Sandstein-Seitenaltar mit dem Kreuzigungsrelief.
1550 Nach dem Aussterben der männlichen Linie kam die Burg durch Heirat an Jürgen von Holle, einen Obristen des Kaisers.
1817-20 Erweiterung der Kirche nach Süden, Umbau zu einer klassizistischen Hallenkirche.
1937 Erhöhung des Turmes auf 54 Meter.

Dieses kleine Museum wurde im Jahre 2002 eröffnet und zeigt ungefähr 200 historischer Landmaschinen und Geräte aus der Zeit von 1870 – 1970. Während der Öffnungszeiten werden diese auch vorgeführt. Darüberhinaus gibt es ein kleines kulinarisches Angebot mit Steinofenbrot sowie Kaffee und Kuchen.

Die Merschmühle stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert Die Wasser- und Staurechte der Familie Dallmöller, die heute noch die Mühle betreibt, stammen noch aus der Zeit um 1235. Betrieben wurde und wird die Mühle durch das Wasser aus dem Glaner und dem Remseder Bach. 1980 wurde die Wassermühle für fast zehn Jahre stillgelegt und modernisiert. Heute treibt der Wasserstrom kein Rad mehr an, sondern eine unterwasser gelagerte Saugturbine.

Die beiden im Ortsteil Averfehrden liegenden Findlinge zählen zu den größten im Osnabrücker Raum. Ursprünglich war es einmal ein zusammenhängender Stein. Aber bei der Freilegung zerbrach dieser in einen großen ‚Goliath’, und in einen kleinen ‚David’. Der Fundort lag eigentlich 300 m nordöstlich der heutigen Position. Der Findling stammt eigentlich aus der Gegend bon Mittelschweden. Gletscher transportierten ihn vermutlich während der Saale-Eiszeit (die mittlere der drei großen Eiszeiten in Mitteleuropa, ca. 230.000 bis 130.000 Jahre vor heute) bis nach Glandorf. Goliath besitzt ein Gewicht von 63 t und mißt einen Umfang von 11 Metern. David dagegen wiegt nur ca. 4,5 t und sein Umfang beträgt ungefähr 6 Meter.



Radrouten die durch Glandorf führen:

Friedensroute
100 Schlösser Route – Nordkurs
Radroute Historische Stadtkerne
Grenzgängerroute Teuto-Ems